Theaterworkshop für Geflüchtete findet großen Anklang

Gemeinsames Projekt von Jugendberufsagentur,  Pfalztheater und Stabsstelle Asyl

Wer am vergangenen Wochenende in den Morgenstunden die Scheune des Stadtmuseums betrat, bekam ein unerwartetes Schauspiel geboten. „Juckreiz, Stufe 5!“ ruft Katja Bach. In der Mitte des Raumes stehen zwanzig junge Leute, die auf Kommando alle anfangen, sich wild zu kratzen. Einer reibt sich mit dem Rücken an einem Pfosten, der nächste wirft sich vor imaginärem Juckreiz auf den Boden, windet sich vor Pein. „Gut, ok, Stop!“, so Bach.
Unter dem Motto „In Bewegung“ hatten die Jugendberufsagentur,  das Pfalztheater und die städtische Stabsstelle Asyl junge Geflüchtete zum Theaterworkshop geladen, der von Katja Bach, Theaterpädagogin am Pfalztheater, und der Tanzpädagogin Susanne Adam geleitet wurde. Die Idee zu dem Workshop haben die beiden gemeinsam mit Sabine Michels von der Stabsstelle Asyl im vergangenen Sommer entwickelt. „Die Menschen, die in der letzten Zeit zu uns gekommen sind, müssen ein großes Quantum an Lernen absolvieren – und immer geht es über Sprache und Worte“, erläutert Michels den Hintergrund. So habe man sich gemeinsam überlegt, ob man dieser eher einseitigen Form des Lernens eine weitere Ebene des Erlebens und Ausdrückens hinzufügen könnte. Und man sei auf das Darstellerische, den körperlichen Ausdruck gekommen. „Zudem ist das Angebot, sich über Bewegung und Mimik auszudrücken und miteinander in Kontakt zu kommen, eine wunderbare Möglichkeit, Nationen zusammenzubringen, und zwar ohne die ansonsten stets vorhandene  Hürde der Sprache“, erzählt Bach.
Via Jugendberufsagentur, wo man in Person von Kerstin Heinzmann direkt auf offene Ohren stieß, habe man sich mit dem Angebot gezielt an junge Erwachsene gewandt, die gerade einen Sprachkurs absolvieren. Ursprünglich war der Kurs für 15 Personen ausgelegt, aufgrund des großen Interesses aber sei der Teilnehmerkreis auf 20 Personen erweitert worden, darunter Menschen aus Syrien, Afghanistan und Eritrea. Los ging es dann am Freitagmorgen um 10 Uhr. „Nach 15 Minuten waren sie aufgetaut, danach hat das Ganze eine Eigendynamik bekommen, wie ich sie noch selten erlebt habe“, zeigt sich Bach von ihrer Gruppe beeindruckt.
Wer die Gruppe beobachtet, weiß sofort, was sie meint. Während der gemeinsamen Juckreizdarbietung explodiert der Raum geradezu. Aus gemeinsamem Kratzen wird immer mehr gemeinsames Lachen. Man applaudiert, jubelt, klatscht sich ab. Es herrscht beste Stimmung. „Das gemeinsame Erleben steht im Vordergrund“, so Adam. „Es muss Elemente zum Austoben geben, und ebenso ruhige Momente.“
Und auch wenn aufgrund der professionellen Leitung des Workshops  durch die beiden Theaterpädagoginnen die Stimmung rundweg heiter ist: Gegen Ende der Veranstaltung ist die Anstrengung in den Gesichtern der Teilnehmer deutlich sichtbar. Der stete Wechsel zwischen Konzentration und Entspannung, individueller Darstellung und Fokussierung des Gruppengeschehens ist über die Dauer des Workshops durchaus eine Herausforderung für jeden Einzelnen.  „Das war genau die Absicht des Seminars“, so Michels. Die Teilnehmer lernen hier Kompetenzen, die ihnen dann wiederum für das Lernen zur Verfügung stehen. „Es wäre wünschenswert, wenn wir ein solches Angebot dauerhaft etablieren könnten.“

Lautrer Fahrschulen geben jungen Migranten ehrenamtlich Verkehrsunterricht

Drei junge Männer stehen in der Mitte des Raums und schauen sich an, die restliche Gruppe sitzt um sie herum und beobachtet sie gespannt, vom Moderator der Szene kommt „Okay, wer darf zuerst?“. Kurz checken die drei ihre Optionen, dann sagt der Eine: „Ich, ich darf zuerst. Ich habe niemanden, der rechts neben mir steht!“ Der Moderator lächelt anerkennend, die Gruppe klatscht Beifall.
Die Szene entstammt dem Projekt „Verkehrsunterricht für junge Menschen mit Migrationshintergrund“ der städtischen Stabsstelle Asyl, das gegenwärtig in Zusammenarbeit mit vier Fahrschulen im Stadtgebiet umgesetzt wird. Möglich geworden ist es durch das Engagement einiger Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer, die sich auf Anfrage der Stabsstelle hin im vergangenen Herbst spontan bereit erklärten, den jungen Menschen die Grundregeln des hiesigen Verkehrssystems auf ehrenamtlicher Basis nahe zu bringen. Seit einigen Monaten schon erhält nun jede Sprachklasse der weiterführenden Schulen der Stadt eine vormittägliche Einführung mit dem Schwerpunkt „Radfahrer“ beziehungsweise „Fußgänger“. Unterstützt wird das Projekt außerdem von der Verkehrswacht Kaiserslautern e.V., die die relevanten Verkehrsregeln für Radfahrer auf Deutsch, Englisch und Arabisch in einem Flyer anschaulich zusammenfassen ließ.
„Natürlich sind die Grundregeln des deutschen Verkehres auch im Internet einzusehen, doch ist der direkte, persönliche Unterricht durch einen Fahrlehrer viel intensiver und direkter und somit effektiver“, erläutert Sabine Michels, die seitens der Stabsstelle das Projekt begleitet. „Diese Art der Einführung in den deutschen Alltag ist interessant und macht Spaß, sowohl den Fahrlehrern als auch den Schülern, die aufmerksam und begeistert mitgehen.“
Auch Oliver Halbgewachs von der Fahrschule Halbgewachs ist vom Sinn des Projekts überzeugt: „ Oft sind die Verkehrsregeln der Herkunftsländer der Jugendlichen gänzlich andere und unsere Regeln erklären sich nicht von selbst.“ Manche Regeln sorgen regelrecht für Erstaunen, etwa wenn Fahrlehrer Ralf Ullrich den jungen Migranten an der Berufsbildenden Schule I verdeutlicht, dass sie auch als Radfahrer bei Missachtung der dargestellten Verkehrsregeln mit empfindlichen Geldstrafen zu rechnen haben.
Zudem müssen relevante Worte wie etwa „Vorfahrt“ oder „Kreuzung“ zunächst erläutert werden, denn sie gehören nicht unbedingt zum Kanon des regulären Sprachunterrichts. Fahrlehrer Ivan Kosina schließt mit Körpereinsatz die Lücken, die sich im Vokabular zeigen. „Wenn ihr mit dem Fahrrad über den Zebrastreifen wollt, müsst ihr absteigen und schieben“, macht er klar und schiebt dabei demonstrativ ein imaginäres Zweirad durch den Raum.  Jede Menge Spaß ist auch dabei, etwa wenn Fahrlehrerin Nicole Louis ihre Runde nach der vermuteten Bedeutung diverser Schilder fragt, und die kreative Antwort zur „Einmaligen Vorfahrt“ lautet: „Hier startet eine Rakete“.